Episode Zweiundzwanzig | StreamD on Fire

In dieser Folge von Digitale Kohle geht es um die Entwicklung von Audioformaten – vom Podcast zum Streaming- und Digitalradio. Am Beispiel von StreamD sprechen wir über lineares Radio im Netz, den Start über DAB+, technische Hintergründe und regionale Reichweite. Außerdem geht es um den Einsatz von KI in der Audioproduktion und darum, warum Radio auch heute noch Nähe und Haltung transportieren kann.

In dieser Folge von Digitale Kohle geht’s um StreamD: wie aus Podcast-Bastelei ein Radioprojekt wurde – und warum Streaming-Radio heute mehr ist als „nur Internet“. Michael erklärt die Unterschiede zwischen Podcast und linearem Radio, warum Logfiles je nach Plattform (z.B. TuneIn) begrenzt sind und wie StreamD technisch auf Ausfallsicherheit setzt. Außerdem: Was sich ab Februar ändert, wenn StreamD zusätzlich über DAB+ sendet, wie das Programm bis/ab 16 Uhr gedacht ist, wie man selbst niedrigschwellig ein Webradio starten kann (von laut.fm bis mAirList) und wo KI im Radiokontext heute schon sinnvoll eingesetzt wird. Zum Schluss gibt’s noch eine kurze Buch-Einordnung zu Sounddesign und Psychoakustik.

[00:00:05.740] Stefan:
Und hier ist mal wieder eine neue Folge von Digitale Kohle. Ich muss schon richtig überlegen, wie unser Titel war. Hallo Christian.

[00:00:12.280] Christian:
Hallo Stefan. Lange haben wir uns nicht mehr gesehen.

[00:00:14.440] Stefan:
Gesehen schon – aber wir haben immer wieder darüber gesprochen, dass wir mal wieder eine Folge aufnehmen wollen. Irgendwie haben wir’s dann nie geschafft.

[00:00:20.230] Christian:
Und jetzt sitzen wir hier.

[00:00:21.130] Stefan:
Genau. Inzwischen sogar in einem ganz anderen Studio. Vielleicht auch ein Anlass, kurz was zur Geschichte dieses Podcasts zu sagen – und das hängt auch mit unserem Thema heute zusammen. Denn heute geht’s um Audioproduktion, Podcast und Radio. Und es begab sich zu der Zeit vor – ich weiß gar nicht – sechs Jahren, kurz vor der Pandemie, dass …

[00:00:41.910] Christian:
Das muss 2018 gewesen sein, ja.

[00:00:43.570] Stefan:
Ungefähr. Dass wir beide überlegt haben: Wir machen mal einen Podcast. Wir hatten Interesse an dem Medium, haben damals sehr improvisiert mit einem alten Diktiergerät eine Folge aufgenommen – und das hat Spaß gemacht. Ich hab dann beschlossen: Ich mache da mehr draus, mache eine Podcastproduktionsfirma. Wir haben einige interessante Folgen zusammen aufgenommen. Ich habe inzwischen auch eigene Formate und vor allem Kundenproduktionen.
Dann habe ich irgendwann Michael wieder getroffen, den ich von früher kannte. Und der sagte: „Hey, ich mache Radio.“ Und ich so: „Ich mache Podcasts.“ Das kam mir vor, als würde Michael mir erzählen, er hätte einen neuen Verbrennungsmotor entwickelt. Aber irgendwie fand ich’s dann doch spannend – als altes Radiokind bin ich damit aufgewachsen. Und es ist eben doch was anderes als Podcast.
Christian kam irgendwann dazu – und noch diverse andere Leute. Manche kannten wir schon, manche haben wir erst da kennengelernt. Und so sind wir Mitgründer von StreamD geworden.

[00:01:37.720] Christian:
Genau, ich erinnere mich gut. Das war im Super 7000 damals – da haben wir StreamD gegründet.

[00:01:43.560] Stefan:
Der Name sagt es schon: ein Streaming-Radio, das im Internet läuft. Manche sagen „nur im Internet“. Aber Streaming hat sich gerade in den letzten Jahren unglaublich entwickelt. Ich höre viele Sender, die ich früher klassisch im Radio gehört habe, heute selber nur noch übers Handy – über den Stream.
Wir haben uns im Vorfeld ja noch unterhalten: Kaum jemand schaut noch Fernsehen über Antenne, die meisten über Apple TV oder über Zattoo.
Die Stimme, die wir gerade gehört haben, das ist Michael – der verrückte Mensch, der irgendwann vor ein paar Jahren die Idee hatte: „Wir machen ein Radio.“ Hallo Michael.

[00:02:19.380] Michael:
Hallo Stefan. Hallo Christian. Ja, das war tatsächlich eine verrückte Idee, mit der mich ein Freund infiziert hat. Aber es war gut, dass man euch – oder überhaupt die Leute – getroffen hat. So ein Radioprojekt ist sehr, sehr viel Arbeit. Alleine kriegt man das nicht hin; man braucht ein großes Team. Und es war damals auch zeitlich „glücklich“, weil durch Corona viele Dinge weggefallen sind – und dadurch hatten Leute Zeit. In gewisser Weise sind wir mit dem Radioprojekt ein Gewinner der Corona-Krise.

[00:03:07.380] Stefan:
Wir haben vor allem alle gelernt, viel online zu machen. Wir haben ganze Radiosendungen online gemacht. Im Podcast hat sich das auch verändert: Christian und ich haben am Anfang – wie gesagt – noch mit dem Diktiergerät gearbeitet, mit einer Strumpfhose über einem alten Kleiderbügel als Popschutz. Das wurde schnell professioneller.
Dann waren wir durch Corona gezwungen, viel online aufzunehmen. Inzwischen nehme ich auch größere Produktionen nur noch online auf. Man fährt nicht mehr ins Studio. Teilweise ist die Qualität sogar besser, weil Leute zu Hause bessere Headsets oder Mikrofone haben. Und du kannst leichter schneiden.
Damit sind wir beim Punkt: Für Podcasts brauchst du Software, mit der du verschiedene Spuren bearbeiten kannst und am Ende eine fertige MP3 erzeugst. Dann lädst du sie bei einem Podcast-Host hoch – wir sind bei podcaster.de – und von dort geht’s über Apple Podcasts, Spotify usw. in die Welt.

[00:04:14.820] Stefan:
Ist das beim Radio ein bisschen anders?

[00:04:17.100] Michael:
Ja. Radio ist linear. Du hast eine Sendung, die läuft – und wenn sie vorbei ist, ist sie vorbei. Beim Podcast kannst du pausieren, zurückspringen, nochmal hören.
Wir haben im Radio aber auch ein Archiv über Mixcloud, wo Moderator:innen Sendungen ablegen. Es ist mittlerweile ein Crossover. Klassisches Radio muss mehr und mehr sowas mitdenken: linear senden – und danach in eine Mediathek legen. Das ist dann fast wie Podcast, nur eben mit Musik drin.
Und Musik ist der große Unterschied: Radio lebt davon, dass Wortbeiträge eher kurz sind – drei bis fünf Minuten, selten zehn bis fünfzehn – und dann Musik kommt. Podcast ist meist ohne Musik-Breaks. Ich denke, beides bleibt.

[00:05:34.440] Michael:
Da gibt’s irgendwo eine Wanderung – vom Podcast Richtung Radio oder andersrum. Ich sage sogar: Wir produzieren Audio. Wir produzieren kein Radio – wir produzieren Audio.

[00:05:48.020] Christian:
Und Podcasts im Radio – ist das ein Thema? Oder gibt’s die nur bei Spotify?

[00:05:52.480] Michael:
Wir haben tatsächlich ein paar Podcasts bei uns im Sender. Wir haben uns aber darauf geeinigt, die erst ab 22:00 Uhr zu senden, weil es vorher nicht gut ins klassische Radioprogramm passt.
Und Podcasts haben auch ein Musik-Thema: Du dürftest theoretisch Musik einbauen – aber GEMA/GVL-Rechte werden beim Podcast anders behandelt als beim Radio. Das ist schwer kalkulierbar.

[00:06:26.400] Stefan:
Beim Radio hast du eine Pauschale, die du anhand einer erwarteten Hörerzahl definierst. Beim Podcast wird das schnell hochgerechnet.

[00:06:38.120] Michael:
Genau. Beim Streamradio kannst du zum Beispiel sagen: maximal 2.000 gleichzeitige Hörer – darauf lizenzierst du. Wenn du über Antenne sendest, kannst du es nicht mehr limitieren und zählen; dann läuft es anders, etwa über Prozente von Werbeeinnahmen. Beim Podcast weiß ich ehrlich gesagt nicht im Detail, wie die Abrechnung läuft.

[00:07:30.520] Christian:
Beim Radio weißt du ja nie genau, wer hört. Bei Spotify siehst du sehr genau, wer den Stream gehört hat – darüber werden Musikschaffende vergütet. Wenn du „in die Welt“ sendest, weißt du nicht, wer gerade den Empfänger anhat.

[00:07:49.140] Stefan:
Beim digitalen Radio ist es eher messbar – aber auch da gibt’s verschiedene Ausspielwege.

[00:07:55.860] Michael:
Genau. Du hast beim Stream grundsätzlich Logfiles. Aber du kannst nicht alles sauber targeten, weil Aggregatoren wie TuneIn keine Logfiles weitergeben. Du siehst dann nur Starts, nicht sauber: wer, wo, wie lange.
Wenn Leute über die eigene App oder Webseite hören, hast du deutlich genauere Zahlen – auch regional (nicht Straße, aber Region). Bei TuneIn eben nicht.
Und fairerweise: Ich höre unseren Sender selbst oft über TuneIn, weil es Vorteile hat – TuneIn puffert manchmal 30 Sekunden.

[00:09:03.980] Stefan:
„Puffert“ heißt?

[00:09:05.560] Michael:
Wenn du im Auto hörst und der Mobilfunk kurz abbricht: Bei linear ist die Sendung weg. Bei TuneIn hast du einen Buffer. Wenn der Stream innerhalb der 30 Sekunden wieder kommt, merkst du’s kaum.

[00:09:36.880] Christian:
Gerade in Deutschland ist das mobile Netz ja nicht überall top – da macht ein Buffer Sinn, zum Beispiel in der Bahn.

[00:09:47.360] Stefan:
Gerade mit 5G wird das spannend. Ich habe merkwürdige Effekte: Wenn ich unterwegs Audio – auch StreamD – über mein iPhone 16 höre und ins Auto streame, reißt es permanent ab. Mit dem alten iPhone war das nicht so. Es muss irgendwie mit Zellwechseln zu tun haben. Es funktioniert aber, wenn ich die Apple Watch ausschalte, über die ich den Stream auch steuern kann. Wer das lösen kann, bekommt als Preis das Buch, das wir nachher vorstellen.

[00:10:45.400] Christian:
Was ändert sich denn bei StreamD ab Februar, Michael?

[00:10:51.760] Michael:
StreamD hat bis jetzt immer Stream angeboten – und ab Februar kommt ein neuer Ausspielweg dazu: DAB+. Dann kann man uns auch „mit Antenne“ empfangen – im Haus, außer Haus, im Auto – im Gebiet von Leverkusen bis Richtung Ruhrgebiet/Essen, über Wuppertal, Mettmann, Neuss, Mönchengladbach bis zur niederländischen Grenze.

[00:11:29.320] Christian:
Wie viele potenzielle Hörer sind das?

[00:11:32.000] Michael:
Ich hoffe, ich habe die Zahl richtig im Kopf: sieben Millionen.

[00:11:37.150] Christian:
Die Zahl hatte ich auch mal gehört.

[00:11:39.420] Stefan:
Die werden natürlich nicht alle hören – aber ein Teil.

[00:11:43.760] Michael:
Also ich denke, es werden alle hören. (lacht)

[00:11:46.570] Stefan:
Das Konzept ist – wenn ich’s richtig verstanden habe – bis 16 Uhr hauptsächlich Musikprogramm, unterbrochen durch kurze Nachrichten/Wetter, kein Gewinnspiel, kein Gequatsche. Ein Sender, den man gut bei der Arbeit nebenbei hören kann. Ab 16 Uhr switcht es dann total.

[00:12:10.060] Michael:
Genau. Wir haben am Anfang getestet – der Vorteil beim Stream: Du siehst sofort, wenn du Mist baust, sind die Hörer weg. Beim Antennenradio merkst du das nicht.
Wir haben festgestellt: Vormittags/Tagsüber im Büro wollen viele einfach Musik ohne viel Moderation. Aber das war nicht der Sinn unseres Senders. Darum: bis 16 Uhr eher unmoderiert, ab 16 Uhr moderiertes Programm – und sogar mehr Moderation als bei vielen anderen Sendern. Bei anderen hört Moderation oft ab 16 Uhr auf, bei uns fängt sie an.
Jemand hat mal gesagt: „Radio für kluge Ohren.“ Also eher Einschalt-Radio: Leute schalten gezielt zu einer Sendung ein.

[00:13:41.660] Christian:
Korrigiere mich, wenn ich falsch liege: Alleinstellungsmerkmal war „Düsseldorf macht Radio“ – also lokale Player, die fürs Radio der Region mitmachen.

[00:13:54.760] Michael:
Genau.

[00:13:59.280] Michael:
Durch die Konzentration der Radiolandschaft gibt es viel Mantelprogramm: In NRW sendet Privatradio oft 12–20 Stunden am Tag im Kern das Gleiche, egal ob Düsseldorf, Mettmann, Münster oder Köln. Lokal sind dann nur ein paar Stunden.
Für uns war wichtig: Kunst/Kultur aus der Stadt, wirklich „nur für hier“. Jetzt müssen wir durch DAB+ natürlich etwas breiter werden.

[00:14:58.280] Stefan:
In Zukunft werden vermutlich drei Städte Schwerpunkte: Mönchengladbach und Wuppertal kommen stärker dazu. Düsseldorf bleibt, aber es wird nicht möglich sein, alle Städte gleich abzuholen. Trotzdem: Als Verein sind wir offen – auch Leute aus Solingen oder Heinsberg können mitmachen.

[00:15:26.920] Michael:
Sehr wichtige Ansage. Wir sind gerade sehr Düsseldorf-zentriert. Wenn Leute aus Neuss, Mettmann, Mönchengladbach usw. Bock haben, Radio zu machen – und ein bisschen Ahnung haben oder lernen wollen – kommt zu uns. Wir brauchen Leute vor Ort.

[00:15:57.260] Stefan:
Die Technik ist gar nicht so schwer: Mischpult, ein paar Regler. Wir machen das am Anfang gern zusammen, damit ihr euch auf eure Sendung konzentrieren könnt.
Aber hinter den Reglern passiert noch einiges. Wenn wir hier ins Mikro sprechen oder Musik einspielen: Wie kommt das in den Stream?

[00:16:30.000] Michael:
Relativ simpel: Du produzierst Audio, das geht in ein Rechenzentrum – eigentlich sogar in zwei. Dort laufen Server parallel in zwei verschiedenen Rechenzentren. Von dort wird der Stream ausgespielt. Hintergrund: Ausfallsicherheit.
Diese Instanzen betreibt ein Dienstleister. Wir betreiben zusätzlich eine eigene Serverinstanz als Backup.
Auch hier im Studio haben wir Redundanz: zwei Studios, zwei getrennte Leitungen (DSL und Mobilfunk). Wenn aber hier der Strom länger ausfällt …

[00:17:42.320] Stefan:
… dann haben wir keinen Dieselgenerator im Keller.

[00:17:44.360] Michael:
Genau. Nur USVs – etwa 15 Minuten. Dann wird’s schwierig. Darum gibt’s das Backup-Setup im Rechenzentrum: Das spielt dann Playlist weiter. Das Handover dauert ca. 20 Sekunden. Moderierte Sendungen gehen dann nicht, aber es bleibt on air. Bisher hatten wir zum Glück noch keinen längeren Stromausfall. Toi toi toi.

[00:18:16.240] Christian:
Für Laien: USV heißt unterbrechungsfreie Stromversorgung.

[00:18:19.980] Michael:
Danke, genau.

[00:18:23.040] Christian:
Redundanz ist wichtig – Radio soll permanent senden. Das ist auch eine Investition: Hardware, Infrastruktur. Was kostet sowas? Angenommen, ich will ein lokales Radio in Buxtehude aufziehen – was brauche ich an Kapital, um auf StreamD-Niveau zu kommen?

[00:18:51.980] Michael:
Wenn du dahin willst, wo StreamD heute steht: locker 80.000 bis 100.000 Euro. Muss aber nicht sein. StreamD ist groß und komplex – 30 Leute Team.
Wenn du klein starten willst, geht’s z.B. über laut.fm. Die stellen die Serverinfrastruktur kostenlos, aber du musst ihnen fünf Minuten Werbung pro Stunde zugestehen.

[00:19:32.310] Stefan:
Die schalten die Werbung selbst und unterbrechen das Programm.

[00:19:35.240] Michael:
Genau. Damit kannst du für kleines Geld starten.

[00:19:45.980] Stefan:
Moderiertes Programm geht da auch? Webradio hat ja manchmal den Ruf, es seien nur Playlists.

[00:20:10.460] Michael:
Technisch kein Problem. Der DACH-Quasi-Standard ist mAirList. Es gibt aber auch niedrigschwelligere Lösungen, weil mAirList Wissen voraussetzt.
Du kannst sogar ganz ohne Radioprogramm: BUTT („broadcast using this tool“) ist sehr rudimentär – damit streamst du, aber ohne Planung, ohne Musikrotation, ohne Automatisierung.
Wenn du’s ernsthafter machst, kommst du fast nicht an mAirList vorbei. Und mAirList ist auch bezahlbar.

[00:21:42.040] Christian:
Setzt ihr irgendwo KI ein? Beim Auspegeln oder so?

[00:21:49.100] Michael:
Wir sind gestartet, bevor KI so präsent war – da war Googeln der Weg, weil mAirList-Doku eher kurz ist. Heute hilft KI sehr beim Recherchieren.
Aktuell nutzen wir KI eher, um kurze Wortbeiträge zu generieren. Erstaunlich, wie gut das funktioniert.

[00:22:23.620] Christian:
Text-to-Speech oder auch Werbeclips?

[00:22:31.860] Michael:
Beides. Nachrichten, TTS – funktioniert hervorragend. Aber: Nicht blind rausgeben. KIs neigen dazu, Dinge auszuschmücken oder zu halluzinieren. Also immer kurz prüfen.
Dann kannst du es z.B. über ElevenLabs oder andere TTS-Lösungen sprechen lassen. Wenn du’s nicht sagst, merken es einige nicht.

[00:23:47.880] Christian:
Wenn man sich nicht versprechen würde und KI die eigene Stimme synthetisch generiert – hat Vorteile. Andererseits ist Schreiben manchmal unspontaner als einfach sprechen. Es gibt ja auch Lösungen, wo zwei fiktive Moderatoren miteinander sprechen – da fragt man sich: Macht das Sinn?

[00:24:22.040] Michael:
Das ist grundsätzlich die Frage. Ich bin Fan von KI als Werkzeug: KI ersetzt nicht die Idee. Sie macht Arbeit schneller, nimmt Evaluationen ab, beschleunigt Ausarbeitung – aber die Idee musst du haben.

[00:25:04.600] Christian:
Ein Designer-Professor meinte: KI kann das Unerwartbare nicht leisten – deshalb funktioniert sie für Kunst noch nicht richtig. Man braucht Menschen, damit etwas Neues entsteht.

[00:25:28.000] Stefan:
Ich finde es umgekehrt entlarvend: Viele von uns reproduzieren auch nur, was sie kennen. Und wenige sind so kreativ, dass wirklich Neues entsteht. Das ist vielleicht auch Teil der KI-Aversion.

[00:25:57.020] Michael:
Ich finde den Vorwurf „KI imitiert nur“ schwierig. Wem gehören die Worte? Der Wortschatz ist nicht geschützt. Buchstaben sind nicht geschützt. Ob ein Mensch oder eine KI ein Buch schreibt: beides setzt vorhandene Bausteine zusammen. KI kann es nur (noch) nicht so wie ein Mensch, der sich auskennt.

[00:26:39.720] Stefan:
Bei Musik fehlt die „Seele“. Ein Roman kann schwach sein, aber du weißt: Da hat ein Mensch Gefühle reingelegt. KI kann spannender sein, aber es bleibt kalt. Für Fahrstuhlmusik okay – für „echte“ Musik eher nicht. Beim Radio ähnlich: Warum hörst du überhaupt ein Programm? Weil du das Gefühl hast, da ist jemand.

[00:27:35.760] Stefan:
„Domian als KI“ – das ginge technisch längst. Aber würden Leute zuhören? Wahrscheinlich weniger, weil das Gefühl fehlt, dass da jemand wirklich wach ist, wirklich da sitzt.

[00:28:37.760] Michael:
Das meinte ich: Der „Imitations“-Vorwurf ist nicht der Punkt. Die Seele macht den Unterschied. Stand heute kann KI das nicht reproduzieren.

[00:29:22.240] Stefan:
Zurück zur Technik: Es gibt verschiedene Formate – Icecast ist eins. Das nutzen wir, oder?

[00:29:36.360] Michael:
Ja, wir nutzen Icecast und Shoutcast.

[00:29:38.900] Stefan:
Wofür ist das?

[00:29:40.480] Michael:
Das sind Protokolle – also wie sich Empfangsgerät und Sender „absprechen“.

[00:30:23.780] Stefan:
Und beim Digitalradio, also DAB+: Was ändert sich da? Es ist ja digital codiert, muss im Gerät dekodiert werden. Vorteil: Solange Empfang da ist, ist er gut. Also „gutes Radio oder gar kein Radio“ – kein Geknister wie früher bei UKW.

[00:31:00.860] Michael:
Genau. Beim Digitalfunk hast du Empfang oder keinen. Dieses UKW-Rauschen fällt weg. Puristen sagen: UKW klingt schöner – ja, aber nur, wenn du nah am Sender bist.

[00:31:25.040] Stefan:
Wie Vinyl: „wärmer“ – bis Staub in den Rillen liegt.

[00:31:36.620] Michael:
Und UKW ist energieintensiv. DAB ist effizienter. Ich glaube, irgendwann wird’s UKW nicht mehr geben – ob man am Ende direkt nur noch streamt, weiß ich nicht. Zukunftsthema.

[00:32:39.400] Christian:
DAB ist technisch was genau? Ein Funknetzwerk?

[00:32:44.720] Michael:
DAB ist eine modulierte Frequenz. Vorteil: Auf einer Frequenz laufen mehrere Programme – z.B. 15 Kanäle. Du brauchst weniger Infrastruktur und weniger Sendeleistung. Es ist ökonomischer.

[00:33:10.100] Stefan:
Das sind alte VHF-Frequenzen, die früher fürs Fernsehen genutzt wurden.

[00:33:13.280] Michael:
Ich glaube, ja.

[00:33:14.820] Christian:
Wenn man anfangen will: Wie macht man das am besten?

[00:33:35.660] Michael:
Niedrigster Einstieg: bei laut.fm anmelden, dort ein Programm aufsetzen. Du musst aber „permanent senden“ – also brauchst du Software, Mischpult, Mikrofon. Meine Empfehlung: Team suchen. Alleine ist’s zu viel und du hast weniger Ideen. Im Team ist’s besser – war bei uns auch der Vorteil.

[00:34:26.960] Christian:
Wie entwickelt sich Radio? Wird es irgendwann nur noch über mobile Daten laufen?

[00:34:39.140] Michael:
Ich denke: ja. Ob in 10, 20, 30 oder 50 Jahren – keine Ahnung. Aber irgendwann wird’s nur noch über mobile Daten laufen.

[00:34:50.810] Christian:
Meine Schwiegermutter hat noch ein altes Röhrenradio im Wohnzimmer.

[00:34:55.060] Stefan:
Hier steht auch noch eins.

[00:34:57.100] Michael:
Dir gegenüber steht eins.

[00:35:02.060] Christian:
Gibt’s noch was, was du unseren Hörer:innen mitgeben willst? Radio, StreamD, Zukunft?

[00:35:15.980] Michael:
Radio wird es vermutlich noch lange geben. Ich merke bei meinen Kindern: Unter 30 ist viel Spotify, über 30 eher Radio. Es ist auch Geschmacksfrage. Ich höre im Auto nicht nur Radio, auch Spotify. Die Mischung macht’s. Mal sehen, wo es endet.

[00:36:04.720] Christian:
Wenn jemand Radio aus der Region ausprobieren will: gerne an uns wenden – wir bieten die Plattform.

[00:36:14.280] Michael:
Sehr gerne.

[00:36:19.160] Stefan:
Dann erreicht man über DAB deutlich mehr Leute. Interessant: Es sind, glaube ich, nur zwei Senderstandorte fürs Gebiet. Einer am Düsseldorfer Fernsehturm. Der andere in Wuppertal am – ich kenne es noch als Rigi-Kulm. Wuppertaler wissen, was gemeint ist. Da steht ein alter Fernsehturm, von dort geht das Signal raus.

[00:36:58.400] Michael:
Und wir gehen erstmal „nur“ auf der Kachel 6 – das ist ein DAB-Mux für NRW.

[00:37:08.700] Stefan:
Genau, der ist größer, aber das ist der Teil, der uns interessiert.

[00:37:12.540] Christian:
Was kann StreamD für die Wirtschaftsregion leisten? Angenommen, ich bin Bäcker und mache den besten Baumkuchen der Welt?

[00:37:19.500] Michael:
Ganz simpel: Wir werden durch DAB stärker mit Werbung arbeiten. Vorteil: Du erreichst Leute regional. Große Netzwerke decken ganz NRW ab – das bringt dir wenig, wenn du in Neuss sitzt; aus Münster kommt kaum jemand für Baumkuchen.
Wir sind eher interessant für lokale und mittelständische Unternehmen. Wer deutschlandweit aufgestellt ist, ist in großen Netzwerken oft besser aufgehoben.

[00:38:36.680] Christian:
Wir haben ein paar Local-Player-Kunden, für die wäre das interessant.

[00:38:44.180] Michael:
Auf jeden Fall.

[00:38:45.380] Christian:
Und preislich? Mediadaten sind schwierig, hatten wir ja.

[00:38:51.120] Michael:
Mediadaten sind schwierig, weil wir vermutlich nicht sauber in der AGMA auftauchen. Die AGMA erhebt Reichweiten über Befragungen (Telefon). Das wurde zwar ausgeweitet, aber für ganz Deutschland bleibt die Stichprobe relativ klein. Für so ein kleines Sendegebiet wie unseres wirst du oft gar nicht erfasst.
Dann bleibt meist nur die theoretische Reichweite – diese sieben Millionen.

[00:40:16.900] Michael:
Preislich ist es attraktiv: grob gesagt 1 Euro pro Sekunde. Ein 20-Sekunden-Spot: 20 Euro. Dazu kommt die Spot-Produktion – die fängt etwa bei 300 Euro an. Den Spot produzierst du einmal und kannst ihn oft senden. Einmalig senden bringt wenig; du brauchst Frequenz. Am besten: einfach bei uns melden, wir helfen.

[00:41:12.500] Christian:
Klingt super.

[00:41:16.500] Stefan:
Zum Schluss noch eine kleine Buchbesprechung – passt zum Thema Sounddesign, Werbung, Radiosendungen, Podcast-Produktion. Größere Produktionen – gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – werden oft „amerikanischer“: mehr Musik, mehr Überschneidungen im Hintergrund. Das finde ich persönlich gut, aber es ist eben mehr Aufwand als „nur Stimmen aufnehmen“.
Ich bin auf das Buch gestoßen: „Wie Sounddesign wirkt – Von der Psychoakustik zum auditiven Medien- und Produktdesign“ von Maximilian Coq, zweite Auflage, im Hanser-Verlag. Hanser ist für mich oft eine Garantie für ordentliche Bücher.
Es ist aber weniger „Technik-Handbuch“, als ich erwartet hatte – eher eine wissenschaftliche Arbeit, stark Richtung Filmproduktion. Wer sich dafür interessiert, findet viel.
Es gibt ein Kapitel zu Sounddesign und KI. Mein Eindruck: eher eine Aufzählung von Vorurteilen gegenüber KI, teils nicht mehr ganz aktuell. Da wird noch von roboterartigen, emotionslosen Stimmen gesprochen – das ist heute mit Tools wie ElevenLabs nicht mehr so. Mir fehlte konkreter Input, wie man KI praktisch fürs Sounddesign nutzen kann. Trotzdem: reinschauen lohnt sich, wenn man in die Richtung arbeitet.

[00:43:33.620] Christian:
Klingt interessant, aber eher für Filmproduzenten.

[00:43:36.300] Stefan:
Genau – oder für aufwendigere Audioproduktion: Hörspiele, mehrteilige Podcasts mit mehr Emotion und Gestaltung.

[00:43:52.460] Christian:
Dann waren das unsere Themen für heute.

[00:43:58.030] Stefan:
Und wir haben wieder eine Dreiviertelstunde voll gekriegt. Nach so langer Zeit auch mal wieder schön.

[00:44:02.860] Christian:
Vielen Dank, Michael, für die tiefen Einblicke ins Radio-Business und das Lokale.

[00:44:10.340] Michael:
Danke, dass ihr mich in die Sendung geholt habt.

[00:44:13.000] Christian:
War uns eine Ehre und ein Vergnügen. Stefan, danke für die Buchbesprechung.

[00:44:18.260] Stefan:
Und ich hoffe, wir machen nicht wieder so eine große Pause, sondern kommen in einen regelmäßigen Rhythmus – und vielleicht auch damit ins Sendeschema von StreamD. Das war ja irgendwann mal geplant.

[00:44:28.260] Christian:
Glüht weiter über Weihnachten, kommt ins neue Jahr. Bis dahin, bis dann.

[00:44:36.440] Stefan:
Das war unser aktuelles Interview in Digitale Kohle. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr hört beim nächsten Mal wieder rein. Folgt dem Kanal, gerne Sterne – und bis dahin.

 

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